Zum Facebookauftritt der Stadtbüchereien Hamm

Bildschirmfoto 2013-07-05 um 13.15.12Seit mehr als eine Dekade bewege ich mich jetzt im Netz. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich damit zu den „Pionieren“ gehöre, die das Fundament der „Datenautobahn“ gelegt haben, aber ich wage mal zu behaupten, dass ich mich im World Wide Web recht sicher bewege. Ich habe den Wechsel von einem anonymen Tummelplatz für Nerds hin zu Social Media als Massenphänomen ge- und erlebt. Trotz aller Shitstorms, Trolle und Trickbetrüger habe ich im Netz immer das Potential gesehen, unsere Gesellschaft grundliegend zu verändern und in vielerlei Hinsicht hat es das auch schon getan. Doch die Umwandlung von einem Spezial- zu einem Massenmedium zerstört auch Einiges, wofür viele von uns netzaffine Menschen gekämpft haben.

Die Stadtbüchereien der Stadt Hamm haben einen hervorragenden Facebook-Auftritt. Die dafür zuständigen Mitarbeiter haben das Unglaubliche geschafft, ein recht unspektakuläres Produkt (=Stadtbücherei) sehr ansprechend darzustellen und nützliche Informationen elegant mit Humor und guten Beiträgen zu verbinden. Und obwohl ich zugegebenerweise eher selten in einer der Büchereien bin, freue ich mich doch jedes Mal, wenn der Googlealgorithmus einen der Beiträge in meinen Newsstream spült. Eines hat mich dabei aber immer gestört: Das für Social Media-Auftritte sehr ungewöhnliche „Siezen“ der Leserschaft. Meiner Meinung nach gehört das „Du“ im Netz zum guten Ton. Der Spiegel „duzt“ auf seiner Facebook-Seite seine Leser, ebenso der Westfälische Anzeiger, und sogar die „Katholische Öffentliche Bücherei Rednitzhembach“. Nur beim (wie gesagt vorbildlichen) Auftritt der Stadtbüchereien in Hamm gab man sich bei der Anrede eher spießig. Also habe ich, eher scherzhaft gemeint, in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass ich finde, dass man sich im Netz doch eher „duzt“. Weitere Kommentare von anderen Lesern bestätigten mir auch meine Einstellung. Das später dann aber weiter „gesiezt“ wurde hat mich dazu veranlasst, anzukündigen, dass ich ab dann in jedem meiner Kommentare darauf hinweise, dass im Netz doch eher das „Du“ angebracht ist. Natürlich scherzhaft und freundschaftlich gemeint, aber doch mit dem Ziel, etwas zu ändern. umfrageUnd so war ich hocherfreut, als die Betreiber im April 2013 dann tatsächlich eine Umfrage zu dem Thema starteten, wo alle User nach ihrer Meinung zu dem Thema befragt wurden. Das Resultat war doch recht eindeutig. Ich fühlte mich bestätigt in diesem eher scherzhaft gemeinten „Kampf“.

Bildschirmfoto 2013-07-05 um 11.49.31Doch das Posting darauf irritierte mich dann doch sehr.  Das Facebookteam, das seine Arbeit wirklich mehr als gut macht muss sich den Entscheidungen eines Gremiums unterwerfen, welches offenbar keinerlei Ahnung von der Thematik hat. Das finde ich um ehrlich zu sein mehr als Lächerlich. Leute, die ihre Arbeit mehr als gut machen, sollte man Ihre Arbeit so machen lassen, wie sie es für richtig halten. Dass die Stadtbüchereien mitlerweile über 600 „Likes“ sammeln konnten (und dies in der eher rückständig wirkenden Stadt Hamm) spricht eindeutig FÜR das Facebookteam. Allerdings werden sie anscheinend durch antiquierte Menschen, die keine Ahnung von der Thematik haben, dazu gezwungen, nach derer Nase zu tanzen, obwohl der beschrittene Weg sehr gut funktioniert. Und das auch noch gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit der User. Klar geht es hier um etwas eigentlich Irrelevantes, wie der Ansprache an die Leser einer Facebook-Page. Aber dieses Obrigkeitsdenken, dass die Mitglieder der Gremien besser Bescheid wüssten als die Menschen, die sich mit der Thematik auskennen finde ich sehr traurig. Und dagegen kämpfe ich dann gerne und mit Leidenschaft. Auch wenn es nur darum geht, dass ich lieber „geduzt“ als „gesiezt“ werde. Ein Blick auf die Facebookpage zeigt, dass das Gremium wohl gegen die Meinung der User entschieden hat. Es wird weiter „gesiezt“.

Mein Aufruf an die Stadt Hamm, oder wer auch immer dafür zuständig ist: Lasst die Betreiber der Facebook-Page ihr Ding so durchziehen, wie sie es für richtig halten. Denn sie machen einen wirklich guten Job!

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Mein 2012

In dem folgenden Text geht es ausschliesslich um meinen Gesundheitszustand im Jahr 2012. Das Jahr hat noch ein paar andere Facetten gehabt, darum soll es hier aber nicht gehen.

Gesundheitlich war 2012 bei mir nicht das beste Jahr. Harmlos ausgedrückt. Angefangen hat es im Frühjahr. Ausgerechnet zu unserem dreitägigen Kurztrip ins wunderschöne gerade aus dem Winterschlaf erwachte Zandvoort hat mich eine fiese Erkältung erwischt. Das hört sich nicht sonderlich schlimm an, aber sie wurde begleitet von einer ziemlich schmerzhaften Mittelohrentzündung. Bewaffnet mit ein paar frei verkäuflichen Mittelchen (z.B. Ohrentropfen) verbrachten wir doch einen recht schönen Aufenthalt, der aber durch die starken Ohrenschmerzen getrübt wurde. Da die Schmerzen nicht weggingen und sie von einem starken Tinnitus und verminderter Hörkraft begleitet wurden, ging ich später doch zum Arzt, der mir nach Laboruntersuchung meines Blutes ein paar Mittelchen verordnete. Die Ohrenschmerzen waren irgendwann weg, mit der Erkältung hielt sich hartnäckig aber war nach mehreren Wochen (!!!) dann doch irgendwann besiegt. Nur der Tinnitus blieb. Zwar ist er jetzt kaum noch vorhanden und ich habe gelernt, ihn zu ignorieren, aber er ist definitiv noch da.

Aber im Vergleich, was noch folgte ist das alles irrelevant. Irgendwann im Frühling merkte ich ein leichtes Kribbeln im Bein. Oft verwechselte ich es mit dem Vibrieren meines Handys (auch so eine Krankheit unserer Zeit…) aber ich schenkte dem keine besondere Beachtung. Doch das Kribbeln wurde stärker und so langsam kam auch der Schmerz. Anfangs wenn ich nach dem Sitzen aufstand, später dann permanent während ich auf den Beinen war. Und der Schmerz wurde immer schlimmer!

Ein 700€-Foto

Ein 700€-Foto

Irgendwann wurden die Schmerzen dann so groß, dass ich doch langsam besorgt wurde und ich suchte einen Orthopäden auf. Der liess mich unter einem riesigen Flachbrettscanner legen (Offenes MRT) und liess eine Aufnahme machen (die dann später mit knapp 700€ berechnet wurde!!! (Keine Sorge, wurde natürlich von meiner Krankenversicherung bezahlt)

Die Diagnose: Bandscheibenvorfall! Das hört sich eher nach alten Leuten an, aber doch nicht ich!

Übrigens hatte ich bis dato keinen Vorstellung davon, was ein Bandscheibenvorfall ist. „Vorfall“ habe ich immer im Sinne von „Ereignis“ interpretiert, nicht aber als das, was es wirklich ist: Ein „Vorfallen“ der Bandscheibe. Jetzt bin ich schlauer…

Während die Schmerzen immer schlimmer wurden, wurde einiges an Therapiemöglichkeiten ausprobiert: Kortisoninfusionen (zwei mal pro Woche), Schmerzmitteltherapie: Novalgin, Diclofenac, Ibuprofen, Arcoxia, Tillidin und Tramadol. Die Diclos wirkten eine zeitlang, aber irgendwann nicht mehr. Das Tramadol, das ich zuletzt bekommen habe, sorgte zwar dafür, dass ich einen fast einwöchigen Dauerrausch hatte, aber die Schmerzen blieben). Auch das habe ich dann abgesetzt.

Dabei dann immer Physiotherapie in Form von Massagen, die zwar angenehm waren aber die Schmerzen nicht linderten.

Auch wurde die sogenannte PRT ausprobiert. Dabei wird eine verdammt lange Spritze mit Hilfe von CT-Ortung direkt in den betroffenen Nerv gerammt, um die Entzündung (die für die Schmerzen im Bein sorgen) zu lindern. Trotz der Betäubung ein sehr schmerzhafter Vorgang, der auch nur temporär Linderung zeigte.

Währenddessen wurden die Schmerzen immer schlimmer. Immer schlimmer, immer schlimmer.

Wenn man einmal täglich nicht enden wollende Schmerzen erleidet, ändert sich das Leben schlaghaft. Man zieht sich aus dem Alltag zurück. Alles verliert an Wichtigkeit. Es dreht sich nur noch um die Schmerzen, um Medikamente, um Arztbesuche. Quälerei bei der Arbeit und danach nur noch Selbstmitleid auf der Couch. Die Kündigung der Freundschaft der besten Freundin, weil man sich nicht mehr meldet, nimmt man da nur noch als Randnotiz war. Unternehmungen werden auf ein Minimum reduziert. Bisherige Leidenschaften (Freizeitparks, Konzertbesuche, Entdeckungen von neuen und bekannten Metropolen und Sehenswürdigkeiten, dies alles fand 2012 gar nicht oder nur unter Schmerzen statt.

Es war definitiv ein Scheiß Jahr! Einziger Lichtblick: Meine Freundin Sarah, mein Muffin, die sich oft rührend um mich kümmert, Verständnis zeigt, dass ich kaum etwas machen kann, was mit „gehen“ oder „stehen“ zu tun hat. Oder mich einfach nur in den Arm nimmt, wenn ich mal wieder heulen muss, weil ich keine Lust mehr auf die Schmerzen habe.

Wie die Zukunft aussieht ist ungewiss. Im Januar werde ich operiert. Danach ist REHA angesagt. Ausgang ungewiss. Medizin ist auch oft ein „Ausprobieren, was etwas bringt“. Mein Arzt hat mir prophezeit, dass ich für mindestens 2-3 Monate nicht arbeiten gehen kann. Zwar bin ich gegen sowas versichert, aber trotzdem macht so eine Aussicht einem Selbständigen IMMER Angst. Doch Finanzielles wird so unbedeutend, wenn man einfach nur will, dass man keine Schmerzen mehr hat.

Ich hoffe ich konnte meinen Freunden, die das hier lesen ein wenig erklären, warum ich mich in diesem Jahr so zurückgezogen habe. Falls ihr dafür kein Verständnis habt, dann ist mir das echt egal. Wenn nicht, dann könnt ihr mich gerne im Krankenhaus besuchen. Dort werde ich ab dem 08.Januar sein. In Warstein.

 

 

von mobo Veröffentlicht in Auskotz

Gespräch beim Bäcker

„Guten Tag, ich hätte gerne 4 Roggenbrötchen“

„Tut mir leid, wir haben keine mehr“

„Aber da sind doch noch genug“

„Die kann ich nicht verkaufen, die sind zu klein, die Kunden beschweren sich sonst“

„Dann geben Sie mir doch einfach eins mehr mit!“

„Ich darf Ihnen die Brötchen nicht verkaufen, es gab schon Beschwerden“

„Was passiert denn mit den Brötchen?“

„Die werden entsorgt“

Dieses Gespräch habe ich gerade so mitbekommen. (Gedächtnisprotokoll)
Ich prangere die Bäckerei Büsch in Hamm Ostwennemar (Im Edeka-Center Sonnenburg) für so ein respektloses Verhalten an. In großen Teilen der Welt verrecken Menschen elendig, weil sie verhungern.
Da erinnert man sich doch sofort an die Meldung, dass die Deutschen pro Jahr 82kg Lebensmittel wegwerfen.
Ich möchte hier nichts der Mitarbeiterin vorwerfen, sie hat ihre Pflicht im Sinne ihres Arbeitgebers getan. Aber muss sowas wirklich sein? Auch wenn sowas wahrscheinlich Gang und Gäbe ist: diesen Bäcker werde ich in Zukunft meiden.

Mein neues Blogprojekt zum Thema Wietpas

Nachdem die Beiträge über den Wietpas-Wahnsinn in den Niederlanden extrem gut angekommen sind, ich eine menge positives Feedback bekommen habe und über Google viel Traffic rüber kam, habe ich beschlossen, ein eigenes Blog zum Thema zu erstellen. Ich versuche Euch hier über die neusten Entwicklungen in der niederländischen Drogenpolitik zu informieren.

Freuen würde ich mich auch über Gastautoren! Wer etwas zum Thema zu sagen hat, kann sich gerne an mich wenden und wir können über eine Zusammenarbeit reden!

Auch freue ich mich über generelles Feedback, über Kritik, Lob und über Blumen 😉

Nutzt auch die Kommentarfunktion in den einzelnen Beiträgen, sowie die Newsletterfunktion, so dass ihr immer alle neuen Beiträge direkt zugemailt bekommt!

Finden könnt ihr das Blog unter keinwietpas.wordpress.com

UPDATE: Ab jetzt ist das Blog auch unter den Domains keinwietpas.de und keinwietpas.nl zu erreichen!

Niederlande: Wietpas wurde eingeführt

„Dicht“ bleiben vorerst nur die Shops.

Anmerkung: Ab jetzt findet ihr meine Beiträge zum Thema Wietpas und Drogenpolitik der Niederlande auf einem Extra-Blog! Ihr findet es unter keinwietpas.wordpress.com. Nutzt dort doch die Abo-Funktion oder klickt auf der Facebook-Seite auf „Gefällt mir“. Aber natürlich würde ich mich auch freuen, wenn Ihr weiterhin auf mobos Welt vorbeischaut!

Hell freezes over! Ich habe bereits über die Einführung des sogenannten „Wietpas“ in einigen Provinzen der Niederlande ausführlich berichtet. Gestern war es dann soweit, und in die Coffeeshops von Limburg, Nordbrabant und Zeeland werden jetzt nur noch Wietpas-Inhaber eingelassen. Ist Maastricht fand eine Demonstration gegen die Einführung statt, zu der ich angereist war. Dummerweise kamen wir auf der Hinfahrt in einen längeren Stau, so dass wir den Protestmarsch verpasst haben. Am Rathaus selbst waren dann nur noch ein paar Protestier, so dass die Fahrt fast unnütz gewesen ist. Shit happens…

Zudem hat sich gezeigt, dass das ursprüngliche Vorhaben der Maastrichter Coffeeshops, den Wietpas zu boykottieren fehlgeschlagen ist. Einzig allein das „Easy Going“ in der Innenstadt hat nach anfänglichen Abweisungen doch noch Ausländer in den Shop gelassen. Und prompt wurde er von der Polizei geschlossen. Hartes Durchgreifen der Polizei! Aus Protest haben nun alle Coffeeshops in Maastricht sich solidarisiert und sind geschlossen. Der Plan ist, das ganze 2 Wochen durchzuziehen!

Wozu das führt, konnte ich am eigenen Leibe erfahren: Ich wurde von einem Strassendealer angesprochen. Herzlichen Glückwunsch, niederländische Regierung, mit Euren diskriminierenden Gesetz holt ihr Euch die Zustände der 70er zurück in Eure Städte. Doch der Kampf gegen den Irrsinn wurde noch nicht aufgegeben! „Easy Going“-Besitzer Marc Josemans, derzeit wohl der bekannteste Coffeeshop-Betreiber der Niederlande weigert sich, die Kundenlisten für den Wietpass an die Polizei herauszugeben. Er sieht darin (und das deckt sich mit meiner Meinung) einen eklatanten Verstoss gegen Datenschutzgesetze. Maastricht droht ihm mit der Schliessung des Ladens für einen Monat (so sieht es das neue Gesetz vor. bei einem weiteren Verstoss wären es 3 Monate, danach 6 und dann dauerhaft), er selbst will gegen die Regelung klagen.

  • Im Rahmen der Berichterstattung gestern kamen dann einige interessante Einzelgeschichten an die Öffentlichkeit: Ein gebürtiger Maastrichter, der seit einigen Jahren 150m (!!) hinter der Grenze lebt, hat keine Change, einen Wietpass zu bekommen.
  • Ein Schwerkranker Cannabispatient bekam auch nicht mit einem Rezept von seinem Arzt  (in den Niederlanden gibt es in bestimmten Fällen Cannabis auf Rezept) Zugang zum Coffeeshop, da er keinen Wietpass besaß
  • Viele Ausländer,darunter ein ranghoher Politier aus Mailand, haben bei der Niederländischen Polizei Strafanzeige wegen Diskriminierung gestellt. Die Niederländische Regierung liess bekannt geben, dass solche Anzeigen NICH behandelt werden.

Wie es weitergeht steht in den Sternen. Es wird sich zeigen, was die Klagen bringen. Es wird sich zeigen, was die Neuwahlen in den Niederlanden bringen werden. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

UPDATE: Es hat sich ein Fehler im Text eingeschlichen. Das Easy Going wurde nicht von der Polizei geschlossen. Es wird kurz geöffnet, Ausländer werden hereingelassen um eine Anzeige zu provozieren. Danach wird es wieder, wie alle Coffeeshops in Maastricht, geschlossen.  Seltsamerweise gab es aber noch keine offizielle Schliessung seitens der Stadt. Der Bürgermeister selbst ist übrigens momentan im Urlaub…

Die Schliessung ist von Nöten, damit Easy Going gegen die neue Regelung klagen kann. Maastricht und viele andere Städte in den 3 Provinzen werden momentan von Strassendealern überbevölkert. Das ist genau das, was die Coffeeshoppolitik verhindern wollte. Vielleicht rüttelt das die Politiker wieder wach… Es bleibt weiterhin sehr spannend!

Quo vadis, Europa?

Bildquelle: NASA, Public Domain.

Mit Besorgnis stelle ich momentan fest, dass die Idee vom vereinten Europa mehr und mehr gefährdet ist. Die Bemühungen der letzten Jahre, unseren Kontinent als ein Ganzes zu vereinen bröckeln mehr und mehr auseinander.

Da wird schamlos gegen Griechenland gehetzt (allen voran die Springer-Presse), da werden mittlerweile fast schon routiniert Verstöße gegen das Schengen-Abkommen gemacht, indem z.B. Grenzkontrollen wieder eingeführt werden. Über das diskriminierende Verhalten der Niederländer gegenüber Ausländern habe ich die letzten Tage ja bereits berichtet. Die fast schon sprichwörtliche Deutsch-Französische Freundschaft nimmt durch den Wahlkampf in Frankreich schweren Schaden, unabhängig vom Ergebnis. Der Euro, der trotz allen Schwierigkeiten, die eine Gemeinschaftswährung mit sich bringt, für Gemeinsamkeit und Zusammenhalt in Europa steht, ist in ernsthafter Gefahr. Die Liste liesse sich endlos weiter führen.

Ich, der ich mich eher als Europäer, noch lieber als Weltbürger sehe, und am liebsten die verkrusteten Staatsgrenzen komplett abschaffen würde, beobachte das alles mit großer Sorge. Nur gemeinsam können wir die wirklichen Probleme der Welt (Klimawandel, steigender Energiebedarf, Kriege, Hungersnöte und Justin Bieber) angehen, da ist eine Rückkehr in das alte Nationaldenken ein riesiger Rückschritt.

Es wird Zeit, dass wir uns wieder auf Gemeinsamkeit besinnen. Ich möchte nicht auf die schönen internationalen Momente in meinem Leben verzichten: Das Anstoßen der Maß Bier auf dem Münchener Oktoberfest mit dem lustigen Italiener. Das Weiterreichen des Joints an den netten Australier im Amsterdamer Coffeeshop, die niemals endende Party mit den trinkfesten Schotten auf Ibiza. Bei der Beurteilung eines Menschen sollten Kriterien wie Herkunft, Hautfarbe und Religion absolut keine Rolle spielen.

Wir sind ein Volk.

Wir sind ein Europa

Wir sind eine Welt.

Lasst uns das nicht vergessen!

Übrigens: ICH sehe auf dem Foto von der ISS KEINE Grenzen. Ihr?

Hier werden keine Juden bedient – die neue Drogenpolitik der Niederlande

Anmerkung: Ab jetzt findet ihr meine Beiträge zum Thema Wietpas und Drogenpolitik der Niederlande auf einem Extra-Blog! Ihr findet es unter keinwietpas.wordpress.com. Nutzt dort doch die Abo-Funktion oder klickt auf der Facebook-Seite auf „Gefällt mir“. Aber natürlich würde ich mich auch freuen, wenn Ihr weiterhin auf mobos Welt vorbeischaut!

Entschuldigt bitte den reißerischen Titel. Doch wenn man sich die Entwicklungen in unserem einst so liberalem Nachbarland anschaut, muss man zwangsläufig an die Diskriminierungen der Nazis denken. Ich habe bereits im Mai 2011 über die mögliche Einführung des sogenannten „Wietpas“, also eine Zugangsberechtigung für Coffeeshops, gebloggt. Dies war im letzten Jahr einer der am häufigsten über Google aufgerufenen Artikel auf mobos-welt.de und ist es bis heute noch. Die Befürchtung, dass für Ausländer bald Schluss mit Coffeeshop-Besuchen sei wurde damals jedoch nach kurzer Zeit entkräftigt: Die Regelung, die entgegen vieler Zeitungsberichte noch kein beschlossenes Gesetz war, wurde erstmal auf 2015 verschoben.

Doch jetzt hat die rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) sich scheinbar doch durchgesetzt: So soll der „Wietpas“ in den niederländischen Provinzen Limburg, Nordbrabant und Zeeland bereits ab 01. Mai 2012 eingeführt werden, in den restlichen Landesteilen ab 2013. Im Einzelnen wird das heißen: Zugang zu den Coffeeshops bekommt man nur noch mit dem „Wietpas“. Diesen bekommt man nur, wenn man seinen Wohnsitz in den Niederlanden hat. Meiner Meinung nach verstößt das gegen das Diskriminierungsverbot, der europäische Gerichtshof sieht das aber anders, da Cannabis illegal ist, und somit das Gesetz nicht greife. Die Anzahl der Mitglieder sei auf 2000 begrenzt. Und da die wenigsten Kiffer jeden Tag zum Shoppen kommen, wäre das auch ein ganz großer finanzieller Einschnitt für die Betreiber, mal ganz abgesehen von den fehlenden Ausländern, die gerade in den Grenzregionen einen Hauptteil der Umsätze generieren.

Aber nicht nur die Ausländer werden mit dem neuen System diskriminiert, sondern auch die Niederländischen Kiffer. Der Wietpas ist elektronisch vernetzt. Damit soll verhindert werden, dass man ihn an verschiedenen Coffeeshops beantragen kann und somit die Tageshöchstmenge von 5 Gramm überschreiten kann. Und somit hätte die Regierung der Niederlande eine zentrale Konsumenten-Datei. Ein Datenschutz-MegaGAU. George Orwell lässt grüßen.

Auch sollte nicht vergessen werden, dass die neue Regelung einen sprunghaften Anstieg der Strassenkriminalität bedeuten würde. Denn die „Drogentouristen“ würden weiterhin kommen und eben illegal kaufen. Genauso wie die Niederländer, die sich eben nicht auf eine Konsumentenliste setzen lassen wollen.

Doch es regt sich Widerstand! So findet am 20.04 in Amsterdam ein internationales Smoke-Out statt, um gegen die Regelung zu demonstrieren. Mehrere Gemeinden der Niederlande haben bereits erklärt, dass sie den Wietpas boykottieren werden, darunter Amsterdam, Haarlem und Maastricht. Der Verband der Coffeeshops hat Klage in Den Haag eingereicht. Der Bürgermeister von Breda hat klargestellt, dass für die Kontrolle des Wietpasses keine Polizisten bereitgestellt werden können. Aus Personalmangel natürlich. Man wolle sich mehr auf Taschendiebstahl und andere wirkliche Verbrechen konzentrieren.

Und man kann hoffen, dass der Rechtsruck, den die Niederlande durch die Wahl 2010 gemacht hat im Jahre 2014 wieder korrigiert wird und sich die Bürger wieder auf ihre sprichwörtliche Liberalität besinnen. Die Situation bleibt spannend und es ist noch alles offen!

Enttäuschend finde ich übrigens die Berichterstattung der deutschen Medien über die Thematik. Liesst man sich die Beiträge zu der Thematik durch, stellt man sehr schnell fest, dass sämtliche Informationen einzig und allein aus einer dpa-Pressemitteilung stammen. Keinerlei eigene Recherche. Keine Interviews mit niederländischen Politikern, Bürgern oder Coffeshop-Mitarbeitern. Stattdessen immer wieder dieselben Geschichten vom Venloer „Drogenpfad“ mit den pöbelnden, in die Vorgärten pinkelnden Drogentouristen. (Wenn das der Grund für die Regelung ist, dann sollten dringend auch Fussballspiele verboten werden…) Selbst ich konnte mit Hilfe von GoogleTranslate und diversen niederländischen Nachrichtenseiten mehr Informationen herausfinden als ausgebildete Journalisten. Traurige deutsche Presselandschaft!

Zuletzt möchte ich noch auf die Bestrebungen der Niederländischen Konsumentenvereinigung „WeSmoke“ hinweisen: Sie fordern, dass die Coffeeshops ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen werden sollen.

Links zum Informieren:
http://www.coffeeshopnieuws.nl/
http://www.wesmoke.nl/

Nachtrag: Da ich bereits drauf angesprochen wurde, möchte ich nochmals explizit klarstellen, dass ich mit der Wahl des provokanten Titels dieses Blogposts weder das Niederländische Volk, noch die Niederlande beleidigen will. Er bezieht sich lediglich auf den Kurs der aktuellen Niederländischen Regierung. Das Niederländische Volk steht bei mir auch weiterhin für Offenheit und Toleranz. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies auch die nächste Wahl unterstreichen wird! Auch wollte ich keinesfalls die Opfer des NS-Regimes beleidigen. Trotzdem sehe ich Parallelen, wenn eine bestimmte, definierte Bevölkerungsgruppe (NS: Schwule, Juden etc., Niederlande: Der Rest der Welt) auf irgendeine Art und Weise diskriminiert wird.

Update:
Am heutigen Freitag, dem 27.04 hat das Gericht in Den Haag den Wietpas bestätigt. Es bleibt also bei der Einführung am 01.05 in den drei genannten Provinzen. Es bleibt also spannend.

Update: Eine Schande

Wenn sich eine Stadt Kunst leistet, dann sollte sie sich auch die Pflege derselben leisten.

Und gerade, wenn sich eine Stadt „Alt-Stadt“ nennt und damit den renommierten Künstler Otmar Alt meint, ist eine gebührende Instandsetzung der Kunstwerke von ihm fast schon eine Selbstverständlichkeit. Man mag zu den Werken von Alt stehen, wie man will, eine schöne Abwechslung neben dem tristen Städtegrau sind die Farbklekse allemal. Nicht aber, wenn man sie so vergammeln lässt, wie die Stadt Hamm es tut. Und so hat der Zahn der Zeit das meiner Meinung nach imposanteste Kunstwerk Alts in Hamm, die „Ekke Nekkepen“, ungestört ruiniert. Vandalismus tat sein Übriges.

Muss so etwas wirklich sein? Das Schiff, einst farbenfroher Akzent im hässlichen Hafenviertel Hamms ist zu einem Schandfleck geworden.

Ich finde, dass sich das dringend ändern muss! Neben dem Glaselefanten, der in einem hervorragendem Zustand ist, gehört die „Ekke Nekkepen“ zweifelsohne zu den typischen Postkartenmotiven der Stadt Hamm. Man mag es sich kaum ausmalen, wie sich ein Kunstliebhaber fühlt, wenn er extra dafür die Stadt aufsucht und dann das alte Schiff so vorfindet, wie es momentan aussieht. So darf sich die Stadt Hamm jedenfalls nicht länger „Alt-Stadt“ nennen.

Übrigens: Anfragen von mir diesbezüglich bei Otmar Alt selbst und dem Kulturbüro der Stadt Hamm blieben leider unbeantwortet.

Nachtrag: Hier seht Ihr mal ein Bild von 2008

UPDATE: Die Stadt Hamm hat sich nun doch bei mir gemeldet!

Hallo Herr Müller,
es tut uns leid, dass wir erst jetzt antworten. Das Schiff gehört nicht der Stadt Hamm, sondern den Stadtwerken. Wir haben Ihre Anfrage an die Stadtwerke weiter gegeben. Sie werden in den kommenden Tagen eine ausführliche Antwort von den Stadtwerken erhalten.

Mit freundlichen Grüßen:

Tobias Köbberling
Pressestelle
koebberling@stadt.hamm.de
02381 17 3551

Und kurze Zeit später kam dann auch eine Nachricht der Stadtwerke Hamm:

Hallo Herr Müller,

durch die in der jüngsten Vergangenheit  vorgenommenen Veränderungen in der Straßenführung entlang der Hafenstraße ist auch die „Ecke Nekkepenn“  wieder ins Blickfeld getreten.

Über die weitere Verwendung des „Kunstschiffes“ wird eine Entscheidung getroffen werden, wenn alle Baumaßnahmen rund um die Hafenstraße und den Hafen abgeschlossen sind.

Mehr kann ich Ihnen dazu leider im Moment nicht sagen!

Mit freundlichen Grüßen
i. V. Cornelia Helm
Leiterin Unternehmenskommunikation
Pressesprecherin

Fon: 02381 274-1701
Fax: 02381 274-1709
E-Mail: c.helm@stadtwerke-hamm.de

Stadtwerke Hamm GmbH
Südring 1/3
59065 Hamm

AG Hamm: HR B 301
Geschäftsführung: Jörg Hegemann
Vorsitzender des Aufsichtsrates: Marc Herter

www.stadtwerke-hamm.de

Zum einem hat es mich natürlich gefreut, dass nun doch auf meine Anfragen reagiert wurde (ein Feedback von Otmar Alt habe ich jedoch immer noch nicht bekommen), aber meiner Meinung nach reden sich die Verantwortlichen doch ein wenig raus. Zum einem war das Schiff auch schon vor der Baustelle in einem miserablem Zustand, zum anderen sieht es nicht danach aus, als hätte eine Restauration irgendeine Priorität. Meiner Meinung nach ist und bleibt es eine Schande!

UPDATE 2: Nun hat sich das Büro Otmar Alt auch bei mir gemeldet!

Sehr geehrter Herr Müller,

verzeihen Sie mir / uns, dass es so lange mit der Antwort gedauert hat, aber Vorbereitungen zu Ausstellungen  gehen einfach vor.
Sie baten um einige Infos zu Ekke Nekkepenn:
Auch der Künstler ist traurig über den Zustand der Ekke Nekkepenn, aber die Restauration der Kunstwerkes ist Sache der Stadt Hamm, da diese Eigentum der Stadt ist.
Wir hatten gehofft, dass der Ekke Nekkepenn im Zuge des Bau des Kreisverkehr an der Hafenstrasse wieder neues Leben eingehaucht wird, aber leider findet dies wohl nicht statt.
Sie haben recht….es ist eine Schande!!!
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Ogagan
Büro Otmar Alt
Obere Rothe 7
59071 Hamm
Tel. 02388 /  2114
Tel. 02388 / 1821
Fax 02388 / 3614
Es mutet zwar etwas seltsam an, dass die Mitarbeiterin wohl nicht genau weiss, dass das Schiff nicht der Stadt Hamm sondern den Stadtwerken gehört, aber es sei ihr verziehen, weil ich ja davon ausgegangen bin in meiner Mail an das Büro.
Fakt ist: Die Stadtwerke haben die Ekke Nekkepen sehr vernachlässigt und man kann nur hoffen, dass eine Restauration bald in Angriff genommen wird. Sonst wird das Schiff doch noch zu dem Schrotthaufen, zu dem es eigentlich werden sollte, nachdem es ausgemustert wurde.

Podcast-Idee gestorben

Für alle, die sich auf meinen Podcast gefreut haben, habe ich eine schlechte Nachricht: Das Konzept, so wie ich es mir vorgestellt habe, ist so nicht durchführbar. Ich hatte ja vor, jeweils 5 Lieder vorzustellen. Um das zu machen, muss man zum einem den GEMA-Podcast-Tarif bezahlen. Die Bedingungen dafür sind nicht die tollsten (Beschränkungen in der Länge des Podcasts, in der Länge der gespielten Songs etc.) aber zu verkraften. Der Preis von 10€ pro Monat ist meiner Meinung nach auch vollkommen akzeptabel und ich war bereit ihn zu bezahlen.

Doch was ich bislang nicht wusste: Neben der GEMA (die die Rechte der Urheber vertritt) hätte ich noch der GVL (die die Rechte der ausübenden Künstler vertritt) Geld zahlen müssen. Und deren Tarif für Podcasting ist dermaßen überzogen, dass es faktisch verhindert, dass man in Deutschland (ganz im Gegensatz zu den USA) einen Musikpodcast veröffentlichen kann. Dort müsste ich nämlich Pro laufende Minute und pro erfolgtem Download bezahlen. Da ich im Vorfeld natürlich nicht abschätzen kann, wie viel das sein wird, wäre mir die Sache von vornherein zu heikel. Zudem gibt es dann noch eine Mindestvergütung (!!!) von 500€ / Jahr, was mir dann definitiv zu viel wäre. Und das gilt dann für nicht-kommerzielle Podcasts. Sobald man mit dem Podcast auch noch Gewinn erzielen würde (was ich nicht vorhatte) wird es dann absurd teuer. Abgesehen davon müsste ich der GVL jedes Mal die Song-Listen zukommen lassen, was ein weiterer Aufwand wäre.

Somit werde ich leider doch nicht den Podcast realisieren können. Da ich aber trotzdem tierisch Lust darauf habe, Euch mit meiner Stimme zu foltern, werde ich mir eine Alternative überlegen.